Mittwoch, 29. April 2009

Dreifache Grosse Konjunktionen

Den Begegnungen von Jupiter und Saturn, den sogenannten Grossen Konjunktionen, wird in der Mundanastrologie von altersher eine hohe Bedeutung beigemessen. Da Saturn für einen Umlauf rund 30 Jahre, Jupiter etwa zwölf Jahre braucht, kommt es ungefähr alle 20 Jahre zu einer Grossen Konjunktion. Die Konjunktionsorte bilden im Tierkreis ein Trigon, das sich, weil die genannten Umlaufzeiten nicht exakt sind, langsam durch den Tierkreis bewegt. Dabei hält es sich für je 200 Jahre in einem Element auf. Gegenwärtig befinden wir uns in der Übergangszeit vom Erdelement, in das wir mit der Grossen Konjunktion von 17.7.1802 (Jungfrau) eingetreten sind, in das Lufttrigon, das mit der Grossen Konjunktion vom 31.12.1980 in der Waage eingeleitet wurde. Ein solcher Erde-Luft-Übergang kann mit den Begriffen Erosion und Vergeistigung umrissen werden. Ähnliche Übergänge gab es in den Jahren 1186 und 332. Ich habe Näheres über die Grossen Konjunktionen, insbesondere auch über die Bedeutung des aktuellen Übergangs auf astrotexte.ch beschrieben.

Die Grosse Konjunktion vom Jahre 1981 hatte noch eine andere Besonderheit: Die Begegnung fand, geozentrisch gesehen, dreimal statt. Wie die folgende Graphik zeigt, ist eine solche, eher seltene Verdreifachung mit der planetarischen Rückläufigkeit verknüpft. Sie ist gewissermassen ein Sonnenphänomen, da Planeten nur in der Nähe der Sonnenopposition rückläufig werden: Der schnellere Jupiter überholt Saturn, wird dann aber rückläufig und wird auch in rückwärtiger Richtung schneller als Saturn, so dass er ihm ein zweites Mal begegnet. Schliesslich, aus dem Bann der Sonne entlassen, besinnen sich die Planeten wieder auf ihre Eigenbewegungen, wobei der schnellere Jupiter den Saturn ein weiteres Mal überholt.

Dreifache Grosse Konjunktion in der Waage 1980/81


Wenn man den aus den Grossen Konjunktionen in Zeit und Tierkreis gewebten Teppich betrachtet und nach einer Gesetzmässigkeit für die Verdreifachungen sucht, so gibt es jedenfalls keine offensichtliche. Man sieht zwar, dass niemals zwei dreifache Konjunktionen aufeinanderfolgen, sondern mindestens eine gewöhnliche Konjunktion dazwischen liegt. Man sieht auch, dass jahrhundertelang überhaupt keine dreifache Konjunktion auftritt, so im ersten, zweiten und dritten Jahrundert nach Christi. Die Zeiten der Verdreifachung scheinen jedenfalls keiner einfachen Regel zu folgen.

Klar ist aufgrund des oben gesagten, dass die Verdreifachungen nur auftreten können, wenn die Konjunktion nahe bei der Sonnenopposition erfolgt. Im Zeitraum von -1500 bis 2500 kann man daraus die Regel ableiten, dass eine Konjunktion sich nur dann verdreifacht, wenn der Ort der heliozentrischen Jupiter-Saturn-Konjunktion in ekliptikaler Länge nicht mehr als 28 1/3° (oder 0.0786 Teile des Vollkreises) von der Erde entfernt ist. Leider ist dieser Abstand, der heliozentrische Phasenwinkel, wegen der gegenseitigen planetarischen Störungen und wegen der unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf den elliptischen Bahnen keine einfache arithmetische Folge, wächst also nicht gleichmässig von Konjunktion zu Konjunktion um einen festen Betrag. Daher lässt sich keine Faustregel für die Ermittlung dieses Phasenwinkels ermitteln. Die folgende Abbildung veranschaulicht das: Sie zeigt die Phasenwinkel als Teile des Vollkreises für die 202 Konjunktionen im Zeitraum von -1500 bis +2500. Die Punkte oberhalb der oberen oder unterhalb der unteren horizontalen roten Grenzlinie entsprechen genau den verdreifachten Konjunktionen, da sie gemäss der genannten Regel hinreichend nahe beim Erdort liegen.

Phasenwinkel heliozentrischer Jupiter-Saturn-Konjunktionen


Und doch gibt es eine verborgene Regel, die von Jakob Nielsen entdeckt wurde, einem Anthroposophen, der die Werke von Walther Bühler studierte und zur Rhythmik der Jupiter-Saturn-Konjunktionen eigene Nachforschungen anstellte. Er schreibt:

Jede der dreifachen Konjunktionen steht in der hier überschaubaren Zeitspanne zu mindestens einer anderen im zeitlichen Abstand von 7*7 = 49 Konjunktionen = 973,1 Jahren in Zusammenhang. [1]

Wenn wir beispielsweise von der in den Jahren 1980/81 erfolgten verdreifachten Mutationskonjunktion 973 Jahre abziehen, werden wir ins Jahr 1007 zurückverwiesen, in dem ebenfalls eine dreifache Konjunktion stattfand. Weitere 973 Jahre zurück gelangen wir ins Jahr 34, in dem es aber nur eine normale, nicht verdreifachte Konjunktion gab.[2] Die Regel von Nielsen wird dadurch jedoch nicht verletzt, denn er sagt nur, dass jede dreifache Konjunktion mit mindestens einer anderen, 973 Jahre entfernten dreifachen Konjunktion verknüpft ist. Die Verknüpfung muss jedoch nicht in beide Zeitrichtungen vorhanden sein.

So sind Stränge von verdreifachten Konjunktionen in das ansonsten ziemlich gleichmässige Muster der Grossen Konjunktionen eingezogen, die irgendwann beginnen, sich in Schritten von 973 Jahren fortsetzen, um dann zu enden. Die Länge eines solchen Strangs kann variieren. Die erwähnte Beziehung zwischen 1007 und 1980 ist zugleich der kürzest mögliche Strang, da er sich weder in die Vergangenheit noch in die Zukunft fortsetzt. Viel länger ist da die im Jahre -979 beginnende Kette, die sich über die vielbeachtete dreifache Konjunktion des Jahres 7 v. Chr. [3], über 967 und die Kriegskonjunktion von 1940 bis ins Jahr 2913 fortsetzt, um dort zu enden.

Das folgende Diagramm zeigt diese zeitlichen Muster, wobei für jede Dreifache Konjunktion der tropische Ort der jeweils ersten Konjunktion angegeben ist (die erste Konjunktion ist, da sie den Anfang macht, auch die astrologisch relevante - auch wenn, wie Bühler bemerkt, das Gesamtgeschehen natürlich zu der mittleren Konjunktion hin orientiert ist, die auch im hellsten Glanz am Nachthimmel erscheint).

Stränge dreifacher Konjunktionen nach der Nielsen-Regel

Es wäre eine lohnende Aufgabe, diese Querverbindungen ganz verschiedener Jahre einmal genauer zu untersuchen: Gibt es historische Analogien, qualitativ ähnliche Ereignisse aus den miteinander verknüpften Zeiten? Hier tut sich ein zukünftiges, bislang unbeachtetes mundanastrologisches Forschungsfeld auf.


[1] Walther Bühler, Der Stern der Weisen, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1983, S. 154. (Private Mitteilung von Nielsen an Bühler)
[2] Die Angaben im o.g. Buch von Bühler sind teilweise unrichtig. Die Jahre 34 und 1084 werden fälschlich als Verdreifachungen aufgeführt. Die von Nielsen gefundene Grundregel wird dadurch jedoch nicht erschüttert. Auch betrachten wir in der Astrologie die Planeten nicht wie der Anthroposoph Bühler vor dem Sternbildhintergrund, sondern sehen ihre Position im Tierkreiszeichen als astrologisch relevant an. Die Konjunktion von 1980 war demnach in der Waage und nicht in der Jungfrau.
[3] Sie wird von vielen mit der Geburt Christi in Verbindung gebracht, auch aufgrund ihres Ortes im Zeichen Fische (Der Fisch ist das Symbol der Christen, aufgrund des Akrostychons Iesous Christos Theou [H]yios Soter für das griechische Wort Ichthys = Fisch).

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